Patienten mit Demenz

Das therapeutische Team ist besonders geschult

Es gibt unterschiedliche Formen der Demenz. Die häufigste ist die Alzheimer Erkrankung, benannt nach dem Psychiater Alois Alzheimer, der 1901 das erste Mal von dieser Erkrankung sprach. Derzeit gibt es in Deutschland etwa 1Mio Menschen über 65 Jahre, die an Demenz erkrankt sind. Prognostiziert wird bis 2050 ein Anstieg auf 3 Mio. Die Minderung der kognitiven Fähigkeiten und die Veränderungen des Sozialverhaltens, der Persönlichkeit, des Antriebs und der Stimmung sind Merkmale der Erkrankung und münden in der Einschränkung bei der Alltagstätigkeit. Unter kognitiven Fähigkeiten ist jegliche Aktivität zu verstehen, die zur Verarbeitung von Wissen genutzt wird. Dazu zählen Wahrnehmung, Erinnern, Denken und der Einsatz von Sprache.

Ein Krankenhausaufenthalt reißt den Demenzerkrankten aus seiner gewohnten Umgebung, was Besorgnis und Angst auslöst. Der Patient reagiert oft durch Aggressivität oder abweisendes Verhal-ten und irritiert damit seine Umwelt. In der Regel dauern Patientenaufenthalte dementer Patienten länger als bei Nichtdementen. Die bereits eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten reduzieren sich weiter, die Fähigkeit, sich selbst zu versorgen, ist rasch nicht mehr gegeben. Dazu kommt, dass Komplikationen wie ein Delir oder die Anfälligkeit auf eine Krankenhausinfektion steigen. Nicht selten kommt es nach der Entlassung innerhalb von kurzer Zeit zu einer wiederholten Aufnahme, da das Behandlungsergebnis unbefriedigend war.

Vor diesem Hintergrund hat sich die Capio Elbe-Jeetzel-Klinik zum Ziel gesetzt, zum demenzsensib-len Krankenhaus  zu werden. Dabei sollen die Bedürfnisse von kognitiv eingeschränkten Menschen über die eigentliche Erkrankung hinaus in die Versorgung und den Umgang integriert werden. Hierzu bedarf es  einer hohen Fachexpertise. Die Demenzbeauftragte der Capio Elbe-Jeetzel-Klinik, Frau Bianka Behn,  erklärt: „Die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Fachabteilungen muss sichergestellt werden. Für das therapeutische Team werden Fortbildungen zu den Modulen Wahrnehmen & Wissen, Verstehen & Annehmen sowie Handeln & Evaluieren angeboten. Alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die nicht an der Therapie beteiligt sind, werden ebenfalls geschult. Ihnen  wird zunächst das Krankheitsbild erläutert. Im Anschluss daran wird gezeigt, wie man Demenzerkrankten begegnet und worauf geachtet werden muss.“
Bezugspersonen übernehmen bei der Aufnahme in ein Krankenhaus, bei der Betreuung und Versorgung sowie bei der Pflege eine zentrale Rolle ein, denn

• Sie kennen den Patienten am besten
• Sie helfen bei der Diagnosestellung
• Sie können begleiten
• Sie können die (Nach-)Behandlung sichern
• Sie helfen bei der Entlassung

Die Demenzbeauftragte  führt mit den Patienten bzw. der Bezugsperson ein Aufnahmegespräch, wobei neben den Personendaten auch Vorlieben, Abneigungen, Gewohnheiten, Hobbys etc. erfragt werden. Die Ergebnisse fließen in die Pflegeplanung mit ein. Darüber hinaus wurde  jeweils mittwochs in der Zeit von 16:00 Uhr - 19:00 Uhr eine Angehörigensprechstunde etabliert.
(Das Büro der Demenzbeauftragten befindet sich im ersten Stock auf Station 2.)

Ernährung und Umgebung

Die Ernährung spielt eine große Rolle bei der Versorgung von Demenzerkrankten. Häufig kommt es bei der Nahrungsaufnahme zu Abwehrreaktionen des Patienten. Daher  ist es wichtig, im Vorfeld eine Ess-Biographie zu erstelle, Beim Anreichen ist darauf zu achten, dass das Essen nicht zu heiß ist. Wird dem Patienten das Essen angereicht, muss der Teller direkt vor dem Patienten stehen. Das Andicken von Flüssigkeiten kann hilfreich sein, um Verschlucken zu verhindern. Deutliche Kontraste zwischen Teller und Speisen sind wichtig. Eine helle Suppe ist auf einem weißen Teller beispielsweise kaum zu erkennen.  Patienten mit einer Demenzerkrankung essen gerne mit den Fingern. Daher sollte auch Finger Food angeboten werden.
Die Gestaltung der Umgebung hat wesentlichen Einfluss auf das Wohlbefinden des Demenzerkrankten. Deshalb arbeiten wir  mit Piktogrammen. WCs werden beschriftet. Ergibt sich aus der Biographie ein Hobby, ein Lieblingsfoto oder Künstler, wird ein Bild des Hobbys bzw. des Künstlers zum Wiederauffinden der Zimmers an der Tür angebracht. Auch Farben haben großen Einfluss. Blau beruhigt  und entspannt, grün harmonisiert und wirkt sanft stimulierend.
Bei der Planung von Patientenzimmern  könnten hinter dem Bett, am Schrank und im WC an den Ablagefächern die gleichen Farben zu Einsatz kommen, um die Orientierung zu erleichtern. Patien-tenbetten, die  besonders tief  einzustellen sind, eignen sich gut, um Stürze zu vermeiden.

Erhalten von Fähigkeiten

Auch während  eines Krankenhausaufenthaltes können vertraute Handlungen weiter geführt und vorhandene Fähigkeiten trainiert werden. Eine Struktur innerhalb des Tagesablaufs  ist wichtig und entsprechenden Angebote  (spiele, Vorlesen, Singen, Musik hören) sorgen für  Abwechslung, stärken das Selbstvertrauen und fördern das Wohlbefinden der Patienten.
Dem Weglaufen, der so genannten  „Hinlauftendenz“ kann man mit unterschiedlichen Möglichkei-ten begegnen, wie beispielsweise mit Bewegungsmeldern und Alarmmatten. Verschiedene Möglichkeiten werden demnächst an der Capio Elbe-Jeetzel-Klinik probeweise zum Einsatz kom-men.
Aufgabe des Kompetenzteams ist es unter anderem,  den Gesamtprozess bei elektiven Eingriffen bereits vor der Aufnahme zu planen. Inhalte der Biographie können in den Behandlungsprozess integriert und im Vorfeld geplant werden. Notwendige Untersuchungen können im Vorfeld ambulant erbracht werden. Ziel ist es, den Patientinnen und  Patienten in allen Phasen gerecht zu werden.