Das Pflege-Team von Station 1

Bei den Senkungsoperationen (Synonym: Descensusoperationen) handelt es sich um chirurgische Verfahren zur operativen Korrektur eines Descensus uteri et vaginae (Tiefertretens des Uterus/Gebärmutter und der Vagina/ Scheide).

Der Grad des Descensus (Senkung) des Uterus bzw. der Vagina definiert, ob es sich bei dem Tiefertreten des Uterus bzw. der Vagina um einen Descensus oder um einen Prolaps (besonders ausgeprägte Form der Gebärmuttersenkung; hier: Vorfall) handelt.

Die Durchführung der Senkungsoperation sollte erst erfolgen, wenn eine konservative Therapie (nicht-operativ) keine Besserung gebracht hat und die Symptome der Gebärmuttersenkung einen chirurgischen Eingriff unausweichlich machen. Häufig beruht die Entstehung einer Gebärmuttersenkung auf einer Bindegewebsinsuffizienz (Schwäche des Bindegewebes).

Indikationen (Anwendungsgebiete)
Druckgefühl "nach unten"
Fremdkörpergefühl (gelegentlich auch stark)
Dyspareunie – Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
Harnentleerungsstörungen (Blasenentleerungsstörungen, Miktionsstörungen)
Harndrang
Ischurie (Harnverhalt)
Obstipation (Verstopfung)
Pollakisurie – häufiger Harndrang ohne vermehrte Harnausscheidung
Rezidivierende (wiederkehrende) Harnwegsinfektionen
Rückenschmerzen (Lumbago/Lumbalgie)
Stressharninkontinenz (Stressinkontinenz)
Stuhlentleerungsstörungen
Ulzerationen (Geschwürbildung) an Uterus (Gebärmutter)/Vagina (Scheide)

Vor der Operation vorbereitende Maßnahmen:
Präoperative Diagnostik – Gynäkologische Untersuchung bestehend aus: Inspektion (Betrachtung), Palpation (Tastuntersuchung: vaginal/Scheide und rektal/Mastdarm betreffend), Spekulumeinstellung (von lat. speculum: „Spiegel“) ist ein medizinisches Untersuchungsinstrument zur Untersuchung der Scheide), Urinuntersuchung auf Harnwegsinfektionen, eventuell Restharnbestimmung (per Sonographie).
Sonographie (Ultraschalluntersuchung): der Genitalorgane (Uterus/Gebärmutter und der Ovarien/Eierstöcke zum Ausschluss pathologischer (krankhafter) Veränderungen, da diese eventuell die Operationsstrategie beeinflussen), der Harnblase (Ausschluss einer Infektion, Restharn, Steine oder Tumoren) und der Nieren (Ausschluss einer Harnstauung).

Absetzen von Antikoagulanzien (Gerinnungshemmern) – in Absprache mit dem behandelnden Arzt müssen in der Regel Medikamente wie Marcumar oder Acetylsalicylsäure (ASS) temporär abgesetzt werden, um das Blutungsrisiko bei der Operation zu minimieren. Die Wiedereinnahme der Arzneimittel darf nur nach ärztlicher Anweisung erfolgen.

Die Operationsverfahren
Von entscheidender Bedeutung für die Auswahl des Operationsverfahrens ist die Lokalisation der Senkung im Bereich des Beckenbodens. Der Descensus (Senkung) lässt sich in verschiedenen Bereichen des Beckenbodens bestimmen:
Im vorderen Bereich des Beckenbodens, der auch als vorderes Kompartiment bezeichnet wird, senkt sich die vordere Scheidenwand zusammen mit der Blase. Es entsteht eine Zystozele (Blasenbodensenkung; Senkung der Blase mit der vorderen Scheidenwand, ggf. aus der Scheide heraus, was dann als Prolaps bezeichnet wird)
Im mittleren Kompartiment senkt sich der Uterus (Gebärmutter) oder der Scheidenabschluss bei Fehlen des Uterus (Douglasozele).
Im hinteren Kompartiment, senkt sich die hintere Scheidenwand zusammen mit dem Enddarm. Es entsteht eine Rektozele (Aussackung der Mastdarmvorderwand in die Scheide).
Die operative Therapie des Descensus uteri et vaginae (Gebärmutter- und Scheidensenkung) basiert auf der Rekonstruktion der Lage der Organe des kleinen Beckens. Hierzu erfolgt eine Rekonstruktion der Faszienstrukturen (Weichteilkomponenten des Bindegewebes) des Halteapparates von Blase, Genitalorganen und Rektum.
Diese Individualität des operativen Vorgehens ist heute deshalb möglich, weil sich das operative Spektrum durch die Anwendung von Kunststoffbändern und Netzen erweitert hat. Mit diesen Verfahren ist man heute in der Lage, die anlagebedingte Gewebeinsuffizienz (Gewebeschwäche) besser auszugleichen.
Liegt gleichzeitig eine Stressinkontinenz vor, wird meist zeitversetzt die Urethra (Harnröhre) mittels eines Kunststoffbandes, das spannungsfrei suburethral (unter die Harnröhre) gelegt wird, U-förmig unterpolstert. Es handelt sich dabei um das sogenannte TVT ( tension-free vaginal tapes) oder TOT (Trans-Obturator-Technik)-Verfahren:
TVT (tension free vaginal tapes) – dabei handelt es sich um ein Kunststoffband, welches spannungsfrei über die Scheide unter die Harnröhre gelegt wird, sodass die Harnröhre bei erhöhtem intraabdominellen Druck (Bauchdruck) stabilisiert wird; es wird retropubisch (hinter dem Schambeinast) ausgeleitet.
TOT (Trans-Obturator-Technik) – es wird ein Kunststoffband spannungsfrei unter die Harnröhre gelegt und über die Schenkelbeugen ausgeleitet (Variante der TVT Operation)

Nach der Operation
Diagnostische Maßnahmen – am ersten Tag nach der Operation sollte eine Nieren- und Restharnsonographie durchgeführt werden.
Körperliche Schonung
Klinische Untersuchung – eine körperliche Untersuchung inkl. einer gynäkologischen Untersuchung ist nach der Operation angezeigt, um ggf. Komplikationen festzustellen.
Gewichtsabnahme in Abhängigkeit vom BMI (Body-Maß-Index)
Beckenbodentraining (nicht direkt nach der Operation, sondern viele Wochen später)

Ihr Ansprechpartner

Marek Jan Loroch
Chefarzt für Frauenheilkunde
und Geburtshilfe