Sie sind hier: Diagnostik / Funktionsdiagnostik / Herzkatheterlabor
Dienstag, 07. September 2010

Herzkatheterlabor

Am Herzkathetermessplatz innerhalb unseres Herzkathederlabors wird dem Patienten bei vollem Bewusstsein ein Katheter durch die Blutbahnen direkt ans Herz geführt.

Durch ein zuvor verabreichtes Kontrastmittel sind jetzt auf einem Bildschirm die Blutgefäße sichtbar.

Engstellen der Gefäße, die eine Durchblutung des Herzens gefährden, können sofort im Zuge der Untersuchung mit dem sog. Ballonverfahren oder mit einer Gefäßstütze – dem Stent - aufgeweitet werden, so dass die Blutversorgung des Herzens verbessert wird.

Herzkatheteruntersuchung


WANN WIRD EINE HERZKATHETERUNTERSUCHUNG DURCHGEFÜHRT?


Wird aufgrund der vorausgegangenen Untersuchungen eine schwerwiegende Erkrankung der Herzkranzgefäße oder der Herzklappen vermutet, kann zur weiteren Abklärung eine Herzkatheteruntersuchung (Linksherzkatheter) mit Darstellung der Herzkranzgefäße mittels Kontrastmittel (Koronarangiographie) erforderlich werden.

Die Koronarangiographie ist zurzeit die einzige Untersuchung, mit der man Engstellen der Herzkranzgefäße sicher nachweisen kann. Wenn bei der Untersuchung hochgradige Engstellen (Stenosen) der Herzkranzgefäße festgestellt werden, kann entweder in gleicher Sitzung oder bei einem weiteren Termin eine Aufdehnungsbehandlung (PTCA) durchgeführt werden..

DURCHFÜHRUNG DER HERZKATHETERUNTERSUCHUNG


Zuerst wird die Stelle, an der der Herzkatheter in die Schlagader eingeführt wird (Punktionsstelle), örtlich betäubt. In der Regel ist das die rechte Leiste oder das linke Handgelenk. Der Herzkatheter – ein dünner biegsamer Kunststoffschlauch – wird von der Punktionsstelle über die Hauptschlagader bis zum Herzen vorgeschoben. Dies ist für Sie völlig schmerzfrei, weil die Blutgefäße von innen weder berührungs- noch schmerzempfindlich sind.

Durch den in der linken Herzkammer liegenden Herzkatheter wird Kontrastmittel gespritzt, so dass unter Röntgendurchleuchtung die Größe, die Form und die Schlagkraft des linken Herzens sowie die Dichtigkeit der Klappen des linken Herzens beurteilt werden können. Während der Kontrastmittelgabe werden Sie ein kurzes, starkes Wärmegefühl verspüren.

Bei der anschließend durchgeführten Koronarangiographie wird ein Herzkatheter nacheinander in den Abgang der rechten und linken Koronararterie eingeführt. Durch Gabe von geringen Kontrastmittelmengen können Engstellen und Verschlüsse sichtbar gemacht werden.

Die Untersuchungsdauer beträgt üblicherweise etwa 20 bis 30 Minuten, sie kann jedoch in Einzelfällen und bei besonderen Untersuchungsverfahren länger sein.

Am Ende der Untersuchung wird die Punktionsstelle mit einem „Gewebekleber“ verschlossen und gegebenenfalls ein Druckverband an der Punktionsstelle angelegt. Danach ist eine strenge Bettruhe für etwa 4 bis 5 Stunden erforderlich, um Nachblutungen an der Einstichstelle zu vermeiden.

Am nächsten Tag dürfen sie sich in der Regel wieder normal bewegen. Falls erforderlich werden wir noch offene Fragen in einem weiteren Gespräch mit Ihnen klären.

WAS SIE NACH DER HERZKATHETERUNTERSUCHUNG BEACHTEN SOLLTEN


Das bei der Herzkatheteruntersuchung verabreichte Kontrastmittel muss durch die Nieren ausgeschwemmt werden. Sie sollten daher bereits am Morgen des Untersuchungstages viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Nach einer Herzkatheteruntersuchung halten Sie bitte die angeordnete Bettruhe ein. Sie sollten dabei flach liegen und das betreffende Bein oder den Arm möglichst ruhig und gestreckt halten. Bei Auftreten von Beschwerden (z. B. Herzbeschwerden, Bluterguss, Blutung, Taubheitsgefühl) benachrichtigen Sie bitte sofort das Pflegepersonal oder den Arzt. Zu Hause sollten Sie sich nach der Untersuchung noch schonen. Am nächsten Tag können Sie sich wieder normal bewegen. Die volle Belastbarkeit des Beines oder des Armes besteht etwa ab dem 4. Tag.

MÖGLICHE KOMPLIKATIONEN EINER HERZKATHETERUNTERSUCHUNG


Um Sie umfassend über die bei Ihnen geplante Untersuchung aufzuklären, werden wir Sie auch über die möglichen Risiken informieren. Grundsätzlich sind bedeutsame Komplikationen bei der Herzkatheteruntersuchung sehr gering (unter 1 %).

Die Komplikationsrate hängt sehr von den individuellen Risikofaktoren und Begleiterkrankungen ab. Durch Ihre Fragen und Angaben können Sie uns helfen Ihr persönliches Risiko möglichst gering zu halten.

Es kommt relativ häufig zu einem kleinen Bluterguss an der Einstichstelle. Dieser wird begünstigt durch die Gabe von gerinnungshemmenden Medikamente, die einer Blutgerinnselbildung (Thrombose) und einer Lungenembolie vorbeugen sollen. Auch bei einer mitunter erheblichen Ausdehnung eines Blutergusses kommt es in der Regel nicht zu einem bedeutsamen Blutverlust. An der punktierten Schlagader kann es auch zu einer örtlichen Ausweitung (Aneurysma) kommen, die sich meistens durch Komprimieren beheben lässt. Bei Zugang vom Arm kann schlimmstenfalls aufgrund der geringen Weite des Gefäßes ein Verschluss der Arterie auftreten. Sehr selten ist hier eine chirurgische Behandlung erforderlich. Die Durchblutung der Hand ist durch die Doppelversorgung, die wir vorher testen, aber in jedem Fall gewährleistet. Eine Verbindung zwischen Schlagader und Vene (AV-Fistel), oder auch ein Aneurysma, die durch die Punktion verursacht werden können, müssen manchmal chirurgisch verschlossen werden.

Sehr selten kann es auch zu einer Nervenverletzung in der Leiste, die ein Taubheitsgefühl im Bein und schlimmstenfalls eine Lähmung nach sich ziehen kann, kommen.

Insgesamt liegt die Rate für die örtlichen Komplikationen bei etwa 0,5%.

Während der Herzkatheteruntersuchung kommt es häufig zu einem harmlosen Herzstolpern (Extrasystolen).

Schwerwiegendere Herzrhythmusstörungen, die zur Gabe von Medikamenten oder sogar zu einer elektrischen Behandlung zwingen, sind selten (1 % bzw. 0,1 %). Es besteht die Möglichkeit, dass sich ein Blutgerinnsel löst, in eine hirnversorgende Schlagader gelangt und so einen Schlaganfall verursacht. Diese Komplikation stellt jedoch eine absolute Rarität dar!

Insbesondere bei schweren Vorerkrankungen des Herzens kann es zu einem Herzinfarkt oder zu einer akuten Herzschwäche kommen. Gelegentlich kommt es nach der Herzkatheteruntersuchung zu Übelkeit, Erbrechen, Schwitzen und Blutdruckabfall. Dies ist in den meisten Fällen auf eine Beeinträchtigung des vegetativen Nervensystems zurückzuführen und bei Patienten mit einer ausreichenden Herzfunktion relativ harmlos.

Sehr selten können z. B. Hautausschlag, Juckreiz und Atemnot jedoch Ausdruck einer Überempfindlichkeitsreaktion auf das Kontrastmittel sein. Bedrohliche Reaktionen, z. B. Organschäden, können im Vorfeld verhindert werden. Bitte geben Sie daher bekannte Allergien unbedingt an.

WANN IST EINE BALLONAUFDEHNUNG (PTCA) NOTWENDIG?


Gefäßverengung durch Atherosklerose

Eine Erweiterung der Herzkranzgefäße (PTCA) werden wir Ihnen dann vorschlagen, wenn hochgradige Engstellen der Herzkranzgefäße vorliegen, die für diese Behandlungsart geeignet sind. Die Behandlung kann entweder in gleicher Sitzung oder an einem neuen Termin durchgeführt werden.

Gelegentlich erfordern medizinische Gründe, dass die Aufdehnungsbehandlung einige Tage später durchgeführt wird.

Nach einer Aufdehnungsbehandlung ist immer eine Bettruhe über mindestens 10 Stunden sowie eine stationäre Überwachung für üblicherweise einen Tag erforderlich. Sie sollten sich daher bitte die Möglichkeit eines kurzen stationären Aufenthaltes einplanen.

DURCHFÜHRUNG DER BEHANDLUNG


Eine Aufdehnungsbehandlung beinhaltet heutzutage in der Regel eine unmittelbare oder nachfolgende Implantation eines so genannten Stents, einem Gitterröhrchen aus Edelstahl in den Bereich einer aufgedehnten Engstelle.

Die Implantation geschieht ebenfalls über den Herzkatheter. Der Stent verbleibt im Herzkranzgefäß und heilt in die Gefäßwand ein. Nach einer Stenteinlage müssen Sie für eine bestimmte Zeit ein gerinnungshemmendes Medikament (Iscover® oder Plavix®) einnehmen, um eine bedrohliche, plötzliche Stentverstopfung durch Blutgerinnsel zu verhindern.

Wenn wir bei Ihnen spezielle Medikamentenbeschichtete Stents einsetzen ist die blutverdünnende Medikation unbedingt für 12 Monate erforderlich.

WAS SIE BEI DER BEHANDLUNG BEACHTEN SOLLTEN


Das bei der Herzkatheteruntersuchung verabreichte Kontrastmittel muss anschließend durch die Nieren ausgeschwemmt werden. Es ist daher besonders wichtig, dass Sie bereits am Morgen des Untersuchungstages viel Flüssigkeit zu sich nehmen.

Nach einer Linksherzkatheteruntersuchung und/oder Ballonaufdehnung (PTCA) halten Sie bitte die vom Arzt angeordnete Bettruhe ein. Sie sollten dabei flach liegen und das betreffende Bein gestreckt halten. Entweder wird die Einstichstelle mit einem sogenannten Gewebekleber abgedichtet oder mit Hilfe eines für einige Stunden verbleibenden Druckverbandes komprimiert.

Zur Nachbeobachtung verbleiben Sie bis zum nächsten Tag in unserer Überwachungsstation, wo Ihr EKG sowie Blutdruck und Puls über eine Monitoranlage ständig überwacht werden kann.

Nach einer Stenteinlage sollten Sie für mindesten 4 Wochen (in einzelnen Fällen und bei beschichteten Stents auch bis zu 12 Monaten) ein gerinnungshemmendes Medikament (Iscover® oder Plavix®) einnehmen.

RISIKEN DER AUFDEHNUNGSBEHANDLUNG (PTCA)


Neben den allgemeinen Risiken der Herzkatheteruntersuchung wie Blutergüsse der Punktionsstelle, seltene Gefäß- und Nervenverletzungen oder Herzrhythmusstörungen, ergeben sich bei einer Aufdehnungsbehandlung zusätzliche Risiken.

Bei der Erweiterung kommt es relativ häufig zu einem kleinen Einriss des Gefäßes, der mittels Einlage eines Stents folgenlos abheilt. Gelegentlich tritt jedoch während oder nach der PTCA ein akuter Verschluss der Herzkranzarterie auf.

Falls eine Wiederaufdehnung und Stentimplantation erfolglos bleibt, kann eine notfallmäßige Bypass-OP erforderlich werden. Hierzu wird eine Operationsbereitschaft durch das
Herz- und Gefäßzentrum (HGZ) Bad Bevensen, Prof. Dr. med. G. Wimmer-Greinecker
gewährleistet. Notfall-Bypass-Operationen sind glücklicherweise nur sehr selten erforderlich (etwa 0,3 bis 0,5% aller Ballonaufdehnungen). Ein Herzinfarkt kann damit meistens verhindert oder verkleinert werden. Selten kann auch in den ersten Tagen nach der erfolgreichen Aufdehnung ein plötzlicher, bedrohlicher Gefäßverschluss mit Herzinfarkt auftreten, der durch einen erneuten Eingriff zu 95% behoben werden kann. Das Risiko kann durch die verordnete blutverdünnende Medikation minimiert werden (unter 0,5%).

Tödliche Komplikationen sind sehr selten, können jedoch bei besonderen Risikopatienten auftreten. Wenn bei Ihnen ein absehbares, erhöhtes Risiko für die Behandlung besteht, werden wir vorab mit Ihnen ausführliche alle Behandlungsalternativen besprechen.

Die Erfolgsrate nach einer Ballonaufdehnung hat sich, seitdem die Möglichkeit der Stentimplantation besteht, wesentlich verbessert. Dennoch besteht nach PTCA die Gefahr der Wiederverengung. Wir werden Ihnen daher gegebenenfalls eine Kontrolluntersuchung empfehlen.

ERFOLGSRATE DER STENTIMPLANTATION


Die Aufdehnung von verengten Herzkranzgefäßen (» PTCA) hat mittlerweile eine sehr hohe Erfolgsrate von mehr als 95%. Bypass-Operationen können so oft vermieden werden. Nach der Aufdehnung kommt es zu einem Heilungsprozeß des gedehnten Herzkranzgefäßes. Dabei kann sich Narbengewebe bilden, dass zu einer erneuten Verengung („Restenose“) führt. Dieser Prozess tritt innerhalb von Wochen bis maximal 6 Monaten, bei Einsatz von beschichteten Stents auch später nach 12-24 Monaten auf. Er lässt sich nicht durch die Behandlung der ursächlichen koronaren Herzerkrankung beeinflussen.

ERNEUTE STENT-VERENGUNG (RESTENOSE)


Das Risiko einer Restenose hängt von vielen Faktoren ab (Größe, Länge und Lage der Engstelle). Die heutzutage regelhaft verwendeten Gefäßstützen („Stent“) haben das Risiko einer Restenose gegenüber der normalen Aufdehnungsbehandlung deutlich auf ca. 10 - 30% reduziert. Die erneute Katheter-Behandlung von Restenosen ist technisch zwar einfach, hat aber erneut ein deutlich höheres Wiederverengungsrisiko von ca. 30-60%.

NEUE MEDIKAMENTEN-BESCHICHTETE STENTS


Seit April 2002 sind neue medikamentös beschichtete Stents erhältlich (zum Beispiel CYPHER® Stent der Firma Cordis, TAXUS® Stent der Firma Boston, Scientific, Endeavor® der Firma Medtronic). Das aufgetragene Medikament (Sirolimus, Paclitaxel, Zotarolimus) hemmt sehr wirksam die Gewebeneubildung und damit die Restenose innerhalb des Stents. Die Art der Katheterbehandlung unterscheidet sich nicht vom bisherigen Eingriff. Wir möchten Sie aber auf einige wichtige Punkte hinweisen.

BESONDERHEITEN DER NEUEN STENTS


Auch bei beschichteten Stents treten Restenosen auf. Bei einfachen Stenosen beträgt die Häufigkeit von Restenosen zur Zeit etwa 5% (normaler Stent ca. 10-15%). Bei komplexen Stenosen werden bisher etwa 10% Restenosen beobachtet (normaler Stent ca. 20-35%).

Beschichtete Stents sind nicht in jedem Fall 'besser'. Bei großen Gefäßen mit kurzen Stenosen ist der 'normale' Stent gleichwertig. Bei sehr rauhen, geschlängelten Stenosen, kann es unmöglich sein, einen beschichteten Stents einzusetzen.

Durch das sehr langsame Einwachsen des Stents ist eine Nachbehandlung mit speziellen Medikamenten zur Hemmung der Blutplättchen unbedingt notwendig für die Dauer von 6 bis 12 Monaten, in Einzelfällen auch länger.

Die medikamentöse Nachbehandlung ist unbedingt notwendig, um plötzliche, eventuell lebensbedrohliche Verstopfungen des Stents zu vermeiden.

Eventuelle Operationen müssen in diesem Zeitraum vermieden werden.

In Einzelfällen (ca. 0,5 bis 1%) kann es auch danach noch zu bedrohlichen plötzlichen Stentverschlüssen kommen. Die Vermutung, dass diese Komplikation bei den medikamentös beschichteten Stents häufiger auftritt, hat sich bisher nicht bestätigt.

Die genaue Stentgröße und Länge kann manchmal erst während der Aufdehnungsbehandlung festgelegt werden. Es kann dann erforderlich sein, mehrere Stents einzusetzen. Die Dauer der medikamentösen Nachbehandlung ist dann in der Regel für 12 Monate notwendig.

ANDERE BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN VON RESTENOSEN


Restenosen lassen sich fast immer erneut mittels Ballonkatheter aufdehnen. Es muss dann allerdings mit einer höheren Restenose-Rate von ca. 30-60% gerechnet werden. Es ist auch möglich, die Restenose des normalen Stents mit einem beschichteten Stent zu behandeln, wobei die Langzeit-Erfahrungen bisher noch fehlen. Hilft auch die erneute Aufdehnung nicht, kann in speziell ausgestatteten Kliniken mit einem Bestrahlungs-Katheter eine erneute Restenose erfolgreich behandelt werden („Brachytherapie“). In letzter Konsequenz ist es manchmal erforderlich, doch noch eine Bypass-Operation zu empfehlen. Dabei können andere betroffenen Gefäßabschnitte ggf. gleich mitbehandelt werden.

WANN IST EINE BYPASS-OP ERFORDERLICH?

Die Bypass-Operation dient ebenfalls zur Behandlung von Verengungen und Verkalkungen (Atheriosklerose) der Herzkranzgefäße.
Durch die Bypass-Op (engl. Bypass = Umgehungsstraße) werden Engstellen in den Herzkranzgefäßen umgangen und somit die Blutversorgung des Herzens verbessert. Das Ausmaß der Gefäßerkrankung wird vorher mit einer Herzkatheteruntersuchung festgestellt.

Eine Bypass-Op wird dann durchgeführt, wenn eine Operation im Vergleich zu einer Ballondehnung (PTCA) oder medikamentösen Therapie die günstigeren Ergebnisse erwarten lässt, zum Beispiel, wenn eine koronare 3-Gefäßerkrankung besteht, d.h. alle drei großen Herzkranzgefäße hochgradige Verengungen (= Stenosen) aufweisen oder der gemeinsame Hauptstamm der linken Herzkranzarterie betroffen ist. Außerdem besteht die Notwendigkeit einer Operation, wenn eine Ballondilatation nicht durchführbar ist, oder wenn ein deutlich höheres Risiko als bei der Operation zu erwarten ist (insbesondere bei sehr komplizierten Verengungen).

WIE WIRD DIE OPERATION DURCHGEFÜHRT?


Die Bypass-Op wird unter Vollnarkose vorgenommen. Üblicherweise wird das Brustbein längs durchtrennt. Bei diesem Standard-Verfahren können alle Abschnitte des Herzens am Besten erreicht werden. Der Blutkreislauf wird in der Regel an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, die das Blut durch den Körper pumpt und mit Sauerstoff versorgt. Am medikamentös ruhig gestellten und gekühlten Herzen erfolgt dann die Operation der Herzkranzgefäße.

Als Bypassmaterial stehen grundsätzlich Venen aus den Ober- und Unterschenkeln, sowie die Brustwandarterie (Arteria mammaria interna, so genannter „IMA-Bypass“) zur Verfügung. Wenn möglich wird die Arteria mammaria interna für das wichtige Versorgungsgefäß der Herzvorderwand verwendet, da hier sehr gute Langzeitergebnisse nachgewiesen sind. So sind nach 10 Jahren im Durchschnitt noch 90% dieser Bypässe offen, wogegen bei Verwendung von Venenbypässen im Durchschnitt 60% noch durchgängig sind. Die Zahl der angelegten Bypässe richtet sich nach der Zahl der kranken Gefäße und liegt im Durchschnitt bei drei bis vier Umgehungswegen. Die Operation dauert üblicherweise etwa 2 bis 3 Stunden, bei zusätzlichen Maßnahmen (z.B. Entfernung eines Aneurysmas oder Ersatz von defekten Herzklappen) auch länger.
In Einzelfällen ist es auch möglich, die Operation ohne die Herz-Lungen-Maschine durchzuführen („OFF-PUMP“-Verfahren).

NACH DER BYPASS-OP


Üblich ist eine Überwachung auf der Intensivstation für meistens zwei bis drei Tage. In der Regel kann das Krankenhaus 10 bis 14 Tage nach der Operation verlassen werden. Meistens schließt sich eine drei bis vierwöchige Anschlussheilbehandlung (AHB) an. Sie dient zur Rehabilitation und Schulung über die geänderten Lebensumstände.

Das Brustbein benötigt für die vollständige Heilung ungefähr zwei Monate. Da dieser künstliche 'Knochenbruch' aber glatte Kanten hat, verheilt er relativ schnell. Nach ca. drei bis sechs Wochen sollten keine Schmerzen mehr auftreten. Während der Heilung sollten ruckartige Bewegungen und Kraftanstrengungen der Arme vermieden werden. Leichte Mißempfindungen des Brutbeins oder ein geringes Taubheitsgefühl der Haut können auch über einige Monate bestehen bleiben.

ERGEBNISSE DER BYPASS-OPERATION


Ziel der Operation ist es, die Minderdurchblutung des Herzmuskels zu beseitigen und dadurch die Angina pectoris Symptomatik zu bessern. Dies ist in mehr als 90% der Fall, ca. 65% der Patienten werden vollkommen beschwerdefrei, 25% erfahren zumindest eine deutliche Besserung. Auch nach ca. 10 Jahren bleiben noch ungefähr 60% der Patienten weitgehend beschwerdefrei.

Unabhängig von der Besserung der Beschwerden lässt sich auch eine Verbesserung der Lebenserwartung durch eine Bypass-OP nachweisen.

Nach 5 Jahren sind von den operativ behandelten Patienten (einschließlich der Operationssterblichkeit) noch 95 % am Leben, während von den ausschließlich medikamentös behandelten Patienten 85% überleben. Wird eine koronare 3-Gefäßerkrankung mit bereits geschädigtem Herzmuskel nicht operiert, beträgt die 5-Jahres-Überlebensrate nur 70%, bei bestehender linkskoronarer Hauptstammstenose sogar nur zwischen 40 u. 60%. Daher ist in diesen Fällen die Operation dringend erforderlich.

MÖGLICHE KOMPLIKATIONEN


Obwohl es sich bei der Bypass-OP um eine Routine-Operation handelt, sind hiermit zwangsläufig Risiken verbunden, die von Begleiterkrankungen oder vom individuellen Krankheitsverlauf abhängen. Lebensbedrohliche Komplikationen sind jedoch selten. Das Risiko durch die Operation zu versterben beträgt durchschnittlich etwa 1% und ist damit wesentlich niedriger als das Risiko der Erkrankung ohne Operation.

Bitte teilen Sie uns und dem Herzchirurgen unbedingt ihre Vorerkrankungen, Allergien und Medikamenten-Unverträglichkeiten mit, damit das Risiko der Operation so gering wie möglich ist.

In den ersten Tagen treten häufiger Herzrhythmusstörungen auf, meistens als „Vorhofflimmern“ mit unregelmäßigem, schnellen Puls. Dies kann eine längere Überwachung und zusätzliche medikamentöse Maßnahmen erfordern. Wundinfektionen können vereinzelt auftreten und eine längere Nachbehandlung erfordern. Betroffen sind vorwiegend übergewichtige Patienten, Diabetiker sowie Raucher. Weitere Komplikationen wie zum Beispiel bedrohliche Nachblutungen, Herzinfarkt, Embolien, Schlaganfall oder Verletzungen von benachbarten Organen treten selten auf.

Bitte beachten Sie, dass alle Risiken zusammen aber wesentlich geringer sind, als das Risiko einer Krankheitsverschlimmerung, wenn die Operation nicht durchgeführt wird.

ERHÖHTES RISIKO BEI RAUCHERN!

Um die Komplikationsrate zu verringern, sollte Sie in jedem Fall das Rauchen sofort einstellen! Raucher sind insbesondere in den ersten Tagen nach der Operation durch schwerwiegende Wundheilungsstörungen des Brustbeins (durch den so genannten „Raucherhusten“) und Lungenentzündung gefährdet.
Auch um das Fortschreiten der koronaren Herzkrankheit zu verhindern, ist der Verzicht auf Nikotin wichtig.

EIGENBLUTSPENDE


Grundsätzlich besteht die Möglichkeit der Eigenblutspende. Der Sinn der Eigenblutspende liegt darin, die Gabe von Fremdblut zu minimieren bzw. zu vermeiden. Die Gabe von Fremd- oder Eigenblut ist in ca. 10% der Bypass-Operationen erforderlich. Allerdings benötigt die Hälfte der Patienten, die Eigenblut gespendet haben, noch zusätzlich Fremdblut.
Auch bei der Rücktransfusion der eigenen Blutkonserven bestehen Risiken, z. B. Infektionen. Eine Eigenblutspende erfordert eine ungefähre Vorbereitungszeit von vier bis sechs Wochen. In der Regel werden dann zwei bis drei Blutentnahmen vor der Operation durchgeführt.
Bei bestimmten Begleiterkrankungen oder dringend erforderlicher Operation ist Eigenblutspende jedoch aufgrund der Gefährdung der eigenen Gesundheit nicht möglich.

NACHBEHANDLUNG


Die Erkrankung der Herzkranzgefäße ist nach der Bypass-OP nicht beseitigt. Um ein Fortschreiten der Gefäßverkalkungen zu verhindern sind eine lebenslange medikamentöse Nachbehandlung, regelmäßige kardiologische Kontrolluntersuchungen sowie in der Regel eine Umstellung der Lebensweise erforderlich.

In Ihrem eigenen Interesse sollten folgende Dinge dringend beachtet werden:


•Vermeiden Sie Übergewicht.

•Ein regelmäßiges leichtes sportliches Training bringt Fitness und fördert die Herzdurchblutung. Sie leben länger!

•Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörung sollten optimal behandelt sein.

•Werden Sie dauerhaft Nichtraucher! Rauchen ist der stärkste vermeidbare Risikofaktor für eine weitere Verschlimmerung der Gefäßerkrankung!

Die weitere Behandlung wird nach der Operation von Ihrem Kardiologen und Ihrem Hausarzt mit Ihnen individuell geplant.

Suchen & Finden