Ihr Ansprechpartner

Dr. med. Kai Schlicht
Ärztlicher Direktor
Chefarzt Geburtshilfe, Gynäkologie
Tel. 05861 83-2503
Geburt und Kaiserschnitt
Dr. med. Kai Schlicht, Chefarzt der Frauenabteilung und Ärztlicher Direktor der Capio-Elbe-Jeetzel-Klinik, spricht über den Kaiserschnitt.
In der Capio Elbe-Jeetzel-Klinik wird inzwischen jedes dritte Kind per Kaiserschnitt geboren.
Wobei der Kaiserschnitt „auf Wunsch“ so gut wie nicht vorkommt. Es ist ein Vorurteil, dass Schwangere, um den Geburts-Stress zu umgehen, einen Kaiserschnitt möchten. Wenn schwangere Frauen eine Schnittentbindung wünschen, gibt es in der Regel gute und nachvollziehbare Gründe, z. B. Verletzungen oder negative Erfahrungen bei früheren Geburten.
Ich möchte 10 Gründe nennen, die meiner Erfahrung nach dazu geführt haben, dass die Kaiserschnittrate in den letzten 30 Jahren von unter 5 Prozent auf über 30 Prozent angestiegen ist.
1.) Die Kinder werden immer größer
Eine immer bessere Versorgung mit hochwertigen Nahrungsmitteln, regelmäßige Untersuchungen in der Mutterschaftsvorsorge zur Früherkennung von Komplikationen
und vor allem die geringere körperliche Beanspruchung durch Wegfall schwerer körperlicher Arbeit sind hierfür verantwortlich.
2.) Die Angst vor juristischen Auseinandersetzungen
Geburtsbedingte Komplikationen ziehen hochkomplexe juristische Auseinandersetzungen zwischen Elternpaaren, Krankenhäusern und Krankenkassen nach sich, bei denen es auch um beträchtliche Schadenssummen und jahrelange juristische Auseinandersetzungen geht.
Für den Geburtsmediziner im Kreißsaal gilt hier leider der Satz: „Es ist noch nie ein Arzt verurteilt worden, der einen Kaiserschnitt zuviel gemacht hat, aber schon viele, weil sie in einer Situation keinen Kaiserschnitt gemacht haben.“
3.) Die Aufklärung und Entscheidung der Schwangeren
Bei bestimmten geburtshilflichen Problemen haben Schwangeren das Recht, den Entbindungsweg selbstständig mitzubestimmen, z. B. bei Steißlage oder Zwillingsgeburten. Nach umfangreicher Aufklärung scheuen fast alle das Risiko eines eventuellen, auch noch so geringen, kindlichen Risikos und wählen die Schnittentbindung.
4.) Mütterliche Adipositas
Die Zahl der übergewichtigen Schwangeren nimmt genauso zu, wie der Anteil der übergewichtigen in der Gesamtbevölkerung. Mit einer gehörigen Fettschicht ändern sich Schwerpunkte und Druckverhältnisse unter der Geburt in ungünstiger Weise.
5.) Kaiserschnitte folgen Kaiserschnitten
Ist ein Kind als Kaiserschnitt geboren, entstehen für alle weiteren Geburten
neue Verhältnisse. In der Gebärmutter ist jetzt eine Narbe von der Voroperation, die ein ausführliches Gespräch mit der Schwangeren zu führen: Liegen besondere Verhältnisse vor (großes Kind, Steißlage, Wunsch der Mutter) wird es wieder ein Kaiserschnitt.
6.) Psychische Überfrachtung und Erwartung an die Geburt
Die meisten Kinder sind Wunschkinder. Wenn es jetzt soweit ist, wird die Schwangerschaft detailliert geplant – nichts wird dem Zufall überlassen. Es werden Kurse besucht. Relativ harmlose Lebensmittel werden gemieden, jede Entscheidung wird mehrfach hinterfragt, ob es dem Baby schaden könnte. Wenn dann, nach monatelanger Vorbereitung der Tag der Geburt kommt, muss alles klappen. Und dann blockiert plötzlich das gesamte System. Und in dem Bestreben alles richtig zu machen, gelingt nichts mehr.
7.) Der Kaiserschnitt macht keine Angst mehr
Die Patientin ist wach. In der Regel sitzt der Mann im OP am Kopf der Patientin.
Nach ungefähr 5 Minuten ist das Kind auf der Welt. 25 Minuten später ist der Bauch zugenäht. Manche Patientinnen verlassen bereits 2 Tage später das Krankenhaus. Zurück bleibt eine dezente quere Narbe, die vollständig von Schambehaarung bedeckt ist. Je häufiger diese Operation gemacht wird, umso sicherer ist sie. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Angst vor dieser großen Bauchoperation fast vollständig verschwunden ist.
8.) Das Kind spielt die Hauptrolle
Während in früheren Jahrhunderten in der Geburtshilfe die Mutter die Hauptrolle spielte, hat sich das inzwischen gewandelt. Heute haben wir uns daran gewöhnt, dass die Geburt für eine Frau praktisch kein Risiko mehr darstellt. Inzwischen spielt das Kind die Hauptrolle. Da die Kaiserschnittentbindung für gefährdete Neugeborene die schonendste Entbindung ist, entscheidet man sich im Zweifelsfall für das Kind und damit für den Kaiserschnitt. Ein Beispiel dafür sind Zwilling- und Frühgeburten.
9.) Wirtschaftliche Aspekte
Nicht wenige Paare haben ein Verhütungsproblem. Die gängigen Verfahren werden nicht von allen vertragen, sind teilweise durchaus teuer, und im Laufe der vielen Jahre wird manch einer auch vergesslich und nachlässig. Wenn der Kinderwunsch abgeschlossen ist, möchte man sich oft der Verhütung entziehen – mit einer Sterilisation, die die gesetzlichen Krankenkassen nicht mehr bezahlen. Wir haben inzwischen Frauen, die sich für einen Kaiserschnitt entscheiden, um auf diesem Weg eine Sterilisation durchführen lassen zu können.
10.) Lifestyle
Manche Dinge kommen hier (noch) nicht vor, es gibt sie aber. In den USA wird z. B. in Frauenverbänden, Frauen-TV-Sendungen und Zeitschriften darüber diskutiert, die normale Geburt nicht übermäßig den Beckenboden und die Scheide überdehnen. Durch diese Überdehnung bestehe die Gefahr der Inkontinenz und möglicherweise Operation. Ferner drohe abnehmende sexuelle Attraktivität durch Aufweitung des „Love-Channels“,
also ihres Liebeskanals. Daher rät man in den USA zum Kaiserschnitt als Vorbeugung.
Hebammengemeinschaft Rundling
Wichtiger Teil der Geburtsabteilung ist die Hebammengemeinschaft „Rundling“. Die Arbeit von Christl Ahrndt, Birgit Gramkow, Petra Hubmann, Ulrike Kiekhäfer, Iris Rose, Elke Petersen und Josefa Auffenberg beginnt während der Schwangerschaft und erstreckt sich über die Geburt bis zu 8 Wochen danach und bildet mit einer Rückbildungsgymnastik den Abschluss.
Während der Schwangerschaft
• Telefonische Beratung rund um die Uhr bei allen Fragen zu Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach.
• Vorsorge-Untersuchungen wie in den Mutterschaftsrichtlinien festgelegt, z. B. Herztöne hören/CTG schreiben, Blutentnahmen, etc.
• Schwangerenbetreuung im Krankenhaus oder zu Hause bei besonderen Belastungen
• Geburtsvorbereitungskurse in Dannenberg und Lüchow
• Informations-Abend jeden 1. Montag des Monats um 18:30 Uhr und individuelle Kreißsaalführungen
Während der Geburt
• Individuelle, familienorientierte Geburtsbetreuung in zwei geräumigen Kreißsälen mit einer zweiten Hebamme in dauernder Rufbereitschaft
• Im hebammengeleiteten Kreißsaal steht ständig einen Fachärztin/Facharzt auf Abruf.
• Eine angepasste Schmerzerleichterung mittels Homöopathie, Badewanne bis zur Peridural-Anästhesie. Eine Peridural-Anästhesie ist über den Facharzt für Anästhesie rund um die Uhr möglich.
• Die Geburtspositionen sind frei wählbar (z. B. Badewanne, Gebärhocker, stehend, Vierfüßler-Stand, liegend usw.)
Während des Wochenbettes
• Eine von der WHO ausgezeichnete babyfreundliche Wochenstation, in denen selbstverständlich auch der Vater verweilen kann.
• Stillfreundlich/24h-rooming-in/Phototherapie im Zimmer
• Tägliche Hebammenbesuche
• Ein Kinderarzt führt 3 x in der Woche die U2-Untersuchungen durch.
Nach der Entlassung bieten die Hebammen Wochenbettbetreuung zu Hause von der auswählten Hebamme an. Den Abschluss bilden die Rückbildungs-Kurse in Dannenberg und Lüchow (10 Stunden werden von den Krankenversicherungen bezahlt).

