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Dr. med. Boris Baron von Engelhardt
Chefarzt
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Interview mit Dr. med. Boris Baron von Engelhardt, Chefarzt der Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Chefarzt des Endozentrums Dannenberg
Mit dem Neubau der Capio Elbe-Jeetzel-Klinik, der personellen Neubesetzungelim Bereich Orthopädie und Unfallchirurgie und der deutlich erweiterten technischen Ausstattung der Klinik hat sich das Leistungsspektrum der ehemaligen Abteilung deutlich verbessert.
Der Bereich Endoprothetik wurde vollständig umgestellt und viele Investitionen getätigt. Auch der Bereich Schulterchirurgie wurden viele Neuerungen getätigt, so sind nun ehemals aufwendige Rekonstruktionen der Rotatorenmanschette und viele weitere Sanierungsmaßnahmen der Schulter in innovativen und schonenden rein arthroskopischen Techniken routinemäßig möglich.
Mit Dr. med. Wolf Frisch, als ehemaligen Chefarzt der Mittelweser-Kliniken, haben wir einen wirklich versierten Hand- und Unfallchirurgen für unsere Region hinzugewinnen dürfen. Die Handchirurgie wird sich sicherlich als weitere Schwerpunkt der „neuen“ Capio Elbe-Jeetzel Klinik etablieren.
Auch die Fußchirurgie ist an Anlehnung zu den aktuellen Empfehlungen der Deutschen Assoziation für Fuß und Sprunggelenk e. V. (D.A.F.) neu und differenziert aufgestellt, so finden nun innovative Lösungen zum Beispiel zu Korrektur einer Hallux-valgus-Deformität routiniert in unserer Klinik Anwendung.
Frage: Was hat sich durch den Neubau für Ihre Abteilung verändert?
Wie auch die gesamte Klinik ist der orthopädische OP-Bereich vollständig neu und hier für eine sichere Endoprothetik und orthopädische Chirurgie angelegt. Der Grundriss und die Klimatechnik sind exakt aufeinander abgestimmt, der OP bietet als vollklimatisierter laminar-air-flow-Op der neuesten Generation die höchst mögliche Hygienestufe im OP. Der Luftstrom erfolgt hierbei, ähnlich wie unter einem Staubsauber, immer vom Operationsgebiet weg, Keime werden auf diese Weise nichtmehr in das OP-Gebiet hineingetrieben, jeglicher Luftstrom geht aus dem OP-Gebiet heraus. Weiterhin wird dieser OP-Bereich ausschließlich für knochen- und gelenkchirurgische Operationen genutzt, um so ein möglichst hohe Sterilität zu erzielen. Der gesamte OP mit modernsten LED-Beleuchtungen ausgestattet, so dass dem Operateur eine brillante Sicht im OP-Gebiet ermöglicht wird.
Frage: Das Endozentrum Dannenberg ist ein zentraler Baustein der Capio-Elbe-Jeetzel Klinik, hier werden routinemäßig neue Gelenke implantiert und Arthrose-Patienten versorgt. Können Sie uns den Begriff „Arthrose“ ein wenig erläutern?
Die Arthrose ist ein orientierender Oberbegriff, der sehr weitläufig und oft eher undifferenziert benutzt wird. Die Arthrose beschreibt zunächst einen Gelenkverschleiß, welcher im fortgeschrittenen Stadium zu Schmerzen mit Bewegungseinschränkungen und eingeschränkter Lebensqualität führt.
Zur Erkennung und zur Differenzierung des individuell sehr unterschiedlichen Ursprungs und der somit auch anatomisch und funktionell unterschiedlichen Ausprägungen ist ein gutes orthopädisches Verständnis notwendig.
Frage: Welche Ursachen kann man für die Ausbildung einer Arthrose verantwortlich machen?
Viele Arthrosen sind sekundär auf dem Boden einer, wenn auch oft milden, kindlichen Gelenkerkrankung oder Deformität entstanden, diese werden in der Kindheit selbst oft nicht erkannt. In viel selteneren Fällen sind Unfälle oder Infektionen als Ursache zu finden. Die viel häufigeren Ursachen liegen meist Jahre und Jahrzehnte zurück, die Erkrankung schreitet dann nur schrittweise voran und wird nur zu einem sehr viel späteren Lebenszeitpunkt symptomatisch. Milde Fehlanlagen und zunächst minimale Ermüdungserscheinungen führen meist erst im späteren Leben zu einem ausgeprägten Gelenkverschleiß mit entsprechendem Leidensdruck.
So kann, am Beispiel des Hüftgelenkes, eine zunächst milde Hüftdysplasie, ein dezenter Hüftkopfabrutsch (Epiphysiolysis capitis femoris), oder auch ein Gelenkslippenschaden mit Anschlagphänomenen des Schenkelhalses bei der Gelenkbewegung (femoroacetabuläres Impingment) oder eine kindliche Durchblutungsstörung des Hüftkopfes (Morbus Perthes) neben vielen anderen Ursachen für die Arthroseentstehung verantwortlich sein. Im Bereich Kinderorthopädie werden diese Gelenkerkrankungen von Kindesbeinen an begleitet, so entwickelt sich erst ein gutes Verständnis für die jeweiligen Feinheiten des entsprechenden Erkrankungsbildes. Auch kindlich angeborene Achsdeformitäten der Beine enden im späteren Lebensalter meist in einer Arthrose des Kniegelenkes.
Zusammenfassend besteht ein buntes Bild an orthopädischen Grunderkrankungen, welche in unterschiedlichste Arthroseformen münden. Genauso unterschiedlich ist die Prognose und Therapie mit jeweils unterschiedlichsten konservativen und operativen Lösungsansätzen, bis hin zum Kunstgelenk.
Frage: Wie kann die Arthrose sinnvoll behandelt werden?
Leider ist ein bereits fortgeschrittener Gelenkverschleiß (Arthrose) ist nicht heilbar. Man kann die Beschwerden aber lindern und das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen.
In milden Fällen kann auch eine Arthroskopie (Gelenkspiegelung) mit knorpelglättenden oder Knorpelneubildung induzierenden Verfahren zielführend sein.
Selten kommen auch knöcherne Umstellungen des betroffenen Gelenkes als sinnvoller Lösungsansatz in Frage. Am häufigsten werden diese bei einem isolierten Verschleiß auf der Innenseite des Kniegelenkes durchgeführt.
Im Falle von Durchblutungsstörungen (Nekrosen) des Hüftkopfes, aber auch am Knie- und Sprunggelenk, welche aber früh genug erkannt werden müssen, können neben Infusionstherapien mit durchblutungsfördernden Medikamenten (Ilomedin-Therapie) auch chirurgisch-operativ vitalisierende Maßnahmen heilsam sein.
Auch führen wir an unserer Klinik in Einzelfällen mit kleinen lokalisierten Knorpeldefekten Knorpelzelltransplantionen durch. Hierbei wird in einer Gelenkspiegelung ein kleinstes, maximal reiskorngroßes Knorpelstückchen aus einem nicht belasteten Gelenkabschnitt entnommen und in einem Speziallabor aufgearbeitet und kultiviert. Dieses angewachsene „neue“ körpereigene Knorpelzelltransplantat, welches wie ein schwammartiger Flies aussieht, wird dann in einem zweiten Operationsschritt in die zerstörte Gelenkoberfläche reimplantiert, so dass wieder eine gut puffernde und ebenmäßige Knorpelzellschicht im Gelenk hergestellt wird.
In schweren Fällen muss jedoch das Gelenk durch ein Kunstgelenk (Endoprothese) ersetzt werden. Eine Prothesenversorgung kann individuell sehr unterschiedlich aussehen, je nach zugrunde liegender orthopädischer Ursache sollte auch individuelle Prothesenlösung genau geplant werden, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Diese doch sehr individuell angelegte Operation sollte nicht einfach als eine sogenannte „Standardoperation“ abgetan werden.
Frage: Was macht eine optimale und individuell angepasste Endoprothesen-Operation aus?
Zunächst Bedarf es einer sorgfältigen Vorbereitung, dazu erfolgt in unserer Klinik eine vorgeschaltete Simulation der Operation. Hierzu wurde das Digitale Navigations-System “Orthoview“ angeschafft, auch haben die Prothesenhersteller die digitalen Daten der jeweiligen prothetischen Komponenten in dieses System eingespeist. Diese computergestützte Planung erfolgt am jeweiligen maßstabsgerecht geeichten digitalen Röntgenbild des Patienten. So gelingt eine der Realität sehr nahekommende Simulation mit Optimierung der Passform der Prothese, einer exakt achsgerechte Implantation und eine genaue anatomische Rekonstruktion des Gelenkes, auf diese Art ist der Operateur auf die eigentliche anstehende Operation bestens vorbereitet.
Die Operation selbst läuft hingegen sehr gleichförmig ab, nur gut einstudierte und standardisierte Operationsabläufe, ein durchdachtes Instrumentarium und auch die beste „Hardware“ der einzelnen Prothesenkomponenten ermöglichen ein sicheres Operationsergebnis und eine nachhaltig hochwertige Endoprothetik mit langfristiger Haltbarkeit des Kunstgelenks.
Im Bereich Hüftendoprothetik kommen in unserer Klinik ausschließlich hochmodulare und knochensparende Implantate bis hin zum Kurz-Schaft zum Einsatz, diese werden in möglichst schonenden Verfahren implantiert. Im Bereich Knie-Endoprothetik kommen ebenso möglichst substanzsparende Teil- oder Voll-Oberflächenersatzprothesen zum Einsatz.
Zur Vermeidung von Abriebfrei und Verlängerung der Standzeit kommen für Hüfte und Knie nur modernste Oberflächen, wie Delta-Keramik Gleitpaarungen oder Zirkoniumoxid (Oxinium) kombiniert mit hochvernetztem Polyethylen, als Gleitpaarung zur Anwendung.
Auch die Schonung der Muskulatur hat in der Operation eine hohe Priorität. Ähnlich wie der Herzmuskel, der nach Infarkten lebenslange Narben und Funktionsstörungen aufweist, reagiert die Muskulatur an einem Gelenk, minimalinvasiv heißt nach meiner Auffassung maximal muskelschonend, Muskultur verzeiht kaum. Der durch minimalinvasive Zugangswege verkürzte Hautschnitt ist hierbei eher von zweitrangiger Bedeutung. Von der Schnittführung der Haut, der Zugangstaktik zum Gelenk, dem benutzen Hackensystemen im Op-Situs bis hin zum abschließenden Verschluss über dem jeweiligen Gelenk sind alle Einflussfaktoren in unseren Operationen auf eine bestmögliche Schonung der Muskulatur ausgelegt.
Frage: Wann sollte man ernsthaft über ein Kunstgelenk nachdenken?
Zunächst muss die „Art der Arthrose“ mittels Röntgenaufnahmen und der klinischen Untersuchung mit Erfassung der Krankengeschichte, wenn nötig, von Kindesbeinen an, richtig eingeschätzt werden. So kann auch sicher die Prognose für das jeweilige Gelenk festgelegt werden. Im Rahmen eines Gelenkverschleiß bestehen charakteristischerweise morgendliche Einlaufschmerzen, ein Laufen auf holprigen Grund und Kopfsteinpflaster wird nicht oder nur noch schlecht toleriert. Ebenso bereitet das Treppensteigen deutliche Schmerzen. Auch saisonal bestehen oft Schwankungen im Beschwerdebild, die Arthrose wird in den trockenen und warmen Sommermonaten viel besser toleriert als im nass-kalten Winter. Am Kniegelenk ist oftmals eine sichtbare belastungsabhängige Schwellneigung bis hin zu kräftigen Reizergüssen zu finden. In schweren Fällen ist irgendwann auch die Gehstrecke und somit der Bewegungsradius im Alltag erheblich eingeschränkt. Letztendlich muss der Entschluss zur endgültigen Kunstgelenkversorgung sorgfältig gefällt werden, jeder Patient wird vor der stationären Aufnahme in der Endoprothesen-Sprechstunde ausführlich untersucht und beraten. Nur eindeutig fortgeschrittene Arthrosen mit erheblichem Leidensdruck werden versorgt, auch erfolgt immer eine genaue und individuelle Risikoabwägung mit dem Patienten.
Frage: Wie sehen Sie die Zukunft in Hinblick auf Qualitätssicherung?
Leider bewegt sich der Bereich Endoprothetik in Deutschland in Hinblick auf flächendeckende qualitätssichernde Maßnahmen noch in den Kinderschuhen. Auch wenn das Einsetzen von künstlichen Hüft- und Kniegelenken zu den häufigsten Operationen in Deutschland gehört, allein im Jahr wurden rund 390.000 Hüft- und Knie-Endoprothesen eingebaut, gibt es immer noch keinen echten Endoprothesenregister. In den versorgten Gelenken sind leider knapp 37.000 Wechseloperationen enthalten, bei denen die Kunstgelenke ausgetauscht werden mussten. Über die Gründe dafür sollten dringend über einem unabhängig wertenden Endoprothesenregister wissenschaftlich verwertbare Information eingeholt werden um so ein echtes Feedback für die einzelnen Kliniken zu schaffen, und so auch flächendeckend erfolgreicher Endoprothetik an möglichst jeder Klinik anwenden zu können.
Ich würde mich sehr freuen, wenn in Deutschland ein wirkliches Endoprothesenregister eingeführt wird. Das derzeit leider lediglich im Aufbau befindliche Endoprothesenregister ist eine Initiative der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek), des AOK-Bundesverbandes, des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) und des BQS Instituts für Qualität und Patientensicherheit (BQS-Institut). Geschäftsführer der EPRD gGmbH ist Prof. Dr. Joachim Hassen-pflug. Ich freue mich sehr, dass hier die Krankenkassen, die orthopädischen Fachverbände und viele weitere Gesundheitspartner an einen Tisch gefunden haben um wirkliche und unabhängige Erkenntnisse zu erzielen. Ich hoffe sehr, dass dieser Endoprothesenregister endlich in Deutschland seinen Startschuss erfährt.
