Hände waschen oder desinfizieren?

04.05.2018

Anlässlichdes Tages der Händehygiene erklärt Hygienefachfrau Barbara Heicappell:

Die Hygienische Händedesinfektion ist eine Basishygienemaßnahme zur Vermeidung der Übertragung von Krankheitserregern in Krankenhäusern. „Die Wirksamkeit der Händehygiene zur Prävention von Erregerübertragungen und somit zur Primärprävention von Infektionen konnte zudem empirisch gut belegt werden. Die Händehygiene ist folglich ein einfaches, sehr wirksames Mittel, um Erregerübertragungen, nicht nur im Alltag, sondern vor allem in Krankenhäusern zu reduzieren."

Begründer der Hygienischen Händedesinfektion war Ignaz Semmelweis (1846), der auf Grund von Beobachtungen einen Zusammenhang zwischen einer hohen Müttersterblichkeit und durchgeführten Untersuchungen feststellte. Semmelweis ordnete als Konsequenz aus dieser Beobachtung an, vor Untersuchungen der Patientinnen die Hände fünf Minuten lang in vierprozentiger Chlorkalklösung zu waschen und reduzierte damit die Müttersterblichkeit zu seiner Zeit drastisch.

Heute stehen moderne Händedesinfektionsmittel auf alkoholischer Basis zur Verfügung, die überall im Krankenhausbereich ihren Platz gefunden haben. Händedesinfektionsmittel enthalten pflegende Substanzen, trotzdem ist die zusätzliche Hautpflege nach der Durchführung der Hygienischen Händedesinfektion eine wichtige Maßnahme, um die Haut intakt zu halten. Wie bei jedem weiteren Desinfektionsmittel gibt es auch bei Händedesinfektionsmitteln eine Einwirkzeit, sie beträgt in der Regel 30 Sekunden. Diese Zeit muss eingehalten werden, um einen Desinfektionserfolg zu gewährleisten.

Die Durchführung der Hygienischen Händedesinfektion kann gemäß EN 1500 (Durchführung der Hygienischen Händedesinfektion in sechs Schritten) empfohlen werden. So wird verhindert, dass Benetzungslücken entstehen. Es sind aber auch variable Abfolgen gestattet. Eine geeignete Maßnahme, um den Erfolg einer Hygienischen Händedesinfektion nachzuweisen, ist der Einsatz einer Schwarzlichtlampe und eines fluoreszierenden Händedesinfektionsmittels, hierbei können Benetzungslücken optisch dargestellt werden.


Wann ist nun die Durchführung einer Hygienischen Händedesinfektion besonders wichtig?

Detailliert beschrieben sind die Indikationen für eine Hygienische Händedesinfektion in „Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut (RKI)"²

Es geht in diesem Kontext darum, krankmachende oder potentiell krankmachende Erreger nicht auf weitere Patientinnen oder Patienten zu übertragen, aber auch der Eigenschutz, der nach der Durchführung einer Hygienischen Händedesinfektion erreicht worden ist, hat einen nicht zu vernachlässigenden Stellenwert.

Im häuslichen Umfeld ist in der Regel das Waschen der Hände ausreichend, um eine Keimreduktion zu erreichen, die Länge der Durchführung dieses Vorganges und der Einsatz einer Seifenlotion führen zu entsprechend gewünschten Ergebnissen.

„Generell ist es zu empfehlen, sich die Hände zu waschen, wenn man am Arbeitsplatz oder zu Hause ankommt. Auch die Verunreinigung häufig genutzter Flächen im öffentlichen Raum ist ein normaler Vorgang und der Kontakt stellt in der Regel kein Problem dar".

Barbara Heicappell
Krankenschwester, Hygienefachkraft