Reform der Pfelgeberufe - Die Fachkräftegewinnung und -bindung ist wichtiger wird denn je.

06.05.2019

Pflegepersonal der Station 3 / Geriatrie

Dannenberg. Pflegeberufe sind sehr angesehen, haben eine hohe Sinnhaftigkeit und werden besser bezahlt, als allgemein angenommen
 
Die Fachkräftegewinnung und -bindung ist wichtiger wird denn je. Das Thema „Pflege“ ist in der öffentlichen Wahrnehmung und politischen Diskussion so präsent wie nie zuvor. Immer mehr ältere Menschen müssen aufgrund steigender Le-benserwartung versorgt werden.  In Zukunft werden daher noch deutlich mehr Pflege-fachkräfte benötigt als bisher. Wie kann man heute dafür sorgen, dass morgen der Bedarf gedeckt ist? Die Pflegeberufe sollen nach dem Willen der Bundesregierung mit ei-ner neuen Ausbildungsstruktur ab 2020 reformiert werden.    

Die Reform der Pflegeberufe hat das Ziel einer zukunftsgerechten Weiterentwicklung der Ausbildung. Der Pflegeberuf soll attraktiver und damit aufgewertet, die Pflegequali-tät verbessert werden. Die Ausbildungen in der Gesundheits- und Krankenpflege, der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sowie die in der Altenpflege überschneiden sich bisher inhaltlich. Ab 2020 wird es eine Anpassung geben, da sich der Pflegebedarf und die Anforderungen an die Versorgung und damit an das Pflegepersonal ändern. Pflegefachkräfte in Pflege-einrichtungen müssen immer häufiger chronisch und mehrfach erkrankte Menschen versorgen. Pflegekräfte in Kliniken benötigen zusätzlich Kenntnisse im Umgang mit pflegebedürftigen, häufig an Demenz leidenden Menschen.

Die drei bisherigen Ausbildungen Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege werden zu einer einheitlichen Pflegeausbildung zusammengefasst. Dabei gelten die beiden ersten Ausbildungsjahre als generalistische Phase, das dritte Jahr als Spezialisierungsphase. Start der neuen Pflegeausbildung ist Anfang 2020. Die neue Berufsbezeichnung lautet ab 2023 Pflegefachfrau bzw. -mann. Durch die Änderungen in der Pflegeausbildung soll außerdem eine Erleichterung beim beruflichen Wechsel bzw. eine höhere Flexibilität zwischen den verschiedenen Pflegebereichen erreicht werden, um die Sicherung des Fachkräftemangels nachhaltig zu verbessern. Auszubildende sollen so später bessere Berufs- und Aufstiegschancen haben. Aufgrund der automatischen Anerkennung des generalistischen Berufsabschlusses gilt dieser auch in anderen EU-Mitgliedsstaaten.    

Zudem wird es ein berufsqualifizierendes Pflegestudium geben, das mindestens drei Jahre dauert und mit der Verleihung des akademischen Grades abschließt. Die staatliche Prüfung zur Erlangung der Berufszulassung wird Bestandteil der hochschulischen Prüfung. Die Berufsbezeichnung „Pflegefachfrau“ bzw. „Pflegefachmann“ wird in Verbindung mit dem akademischen Grad geführt. Das Studium ermöglicht, dass das fort-schreitende pflegewissenschaftliche Wissen noch besser in die Praxis Eingang findet. (Quelle:https://www.bmfsfj.de/blob/jump/77268/faqs-pflegeberufsgesetz-data.pdf)

Die Situation an der Capio Elbe-Jeetzel-Klink

Pflegedienstleiterin Ute Exner an der Capio Elbe-Jeetzel-Klinik sagt „die Pläne der Bundesregierung sind notwendig und gut, weil sie mehr Flexibilität im Berufsleben einer Pflegefachkraft schaffen. Was unsere Ausbildungsplätze im Bereich der Pflegeberufe angeht, so konnten wir diese bisher immer besetzen. Das wünschen wir uns auch für die Zukunft. Deshalb werben wir für diesen ehrenhaften Beruf“
In diesem Jahr gibt es an der Capio Elbe-Jeetzel-Klinik gleich zwei Termine zum Ausbildungsstart: April und August. Außerdem werden statt drei Auszubildende pro Jahr, vier Auszubildende pro Halbjahr neu eingestellt. „Damit fühlen wir uns gut aufgestellt und leisten einen wichtigen Beitrag zur Reduktion des Fachkräftemangels“ so die Pflegedienstleiterin weiter. „Wir planen, alle unsere Auszubildenden in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis zu übernehmen. Junge Leute, die wir selbst ausgebildet haben, kennen das Arbeitsgebiet und den Betrieb bereits sehr gut. Diese Fachkräfte möchten wir langfristig an unser Haus binden.“    

Große Unterschiede in der Verteilung bei den Pflegefachpersonen:

Im Vergleich der niedersächsischen Landkreise sind in Lüchow-Dannenberg die wenigsten Pflegefachpersonen registriert. Gleichzeitig weist der Landkreis Lüchow Dannenberg den höchsten Altersdurchschnitt bei den Pflegefachkräften auf. Viele der heute arbeitenden Pflegefachkräfte werden in absehbarer Zeit in Rente gehen. Das bedeutet, dass künftig die Frage der Fachkräftegewinnung und -bindung wichtiger wird denn je ist. (Quelle: Bericht der Pflegekammer vom 15.12.2018)

Die Bezahlung in der Pflege
 
Fachkräfte in der Krankenpflege werden in allen Bundesländern besser entlohnt als der jeweilige Durchschnitt aller Fachkräfte. Die Ausbildung zur / zum Gesundheits- und Krankenpfleger/-in gehört derzeit zu den bestbezahlten Ausbildungen Deutschlands, wie das Online-Portal Ausbildung.de meldet. Auszubildende erhalten in der Capio Elbe-Jeetzel-Klinik aktuell folgende Vergütung:
             1.022 €     erstes Ausbildungsjahr          
             1.098 €     zweites Ausbildungsjahr   
             1.223 €     drittes Ausbildungsjahr             
             2.791 €     zum Berufsstart                      

zzgl. Zuschläge für Schichtarbeit und 90% Sonderzahlung.

48 Prozent der ausgebildeten Pflegekräfte, die ausgestiegen sind, könnten sich vorstellen, wieder in ihren alten Beruf zurückzukehren.    

(Quelle: Handelsblatt,  26.11.2018)

In den vergangenen 25 Jahren wurden in Deutschland rund 625.000 Pflegekräfte ausgebildet. Davon hat etwa die Hälfte den Beruf wieder verlassen. Das Ergebnis einer aktuellen Studie: 48 % dieser ausgebildeten Pflegekräfte könnten sich vorstellen, wieder in ihren alten Beruf zurückzukehren, wenn die Rahmenbedingungen entsprechend wären. Die Studie zeigt auch, dass viele ehemalige Pflegekräfte ihren Beruf sehr wertschätzen.